Klimagerechtigkeit lokal gestalten
Unsere 8. Internationale Tagung Soziale Arbeit und Stadtentwicklung findet am 10./11. September 2026 in Basel und Muttenz statt.
Programm am Donnerstag, 10. September 2026
Halle 7, blindekuh (Gundeldingerfeld), Dornacherstrasse 192, Basel
| 08.30 – 09.15 | Check-In & Willkommens-Kaffee |
| 09.15 – 09.45 | Tagungsstart: Begrüssung und Einführung Prof. Dr. Jörg Dittmann, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW |
| 09.45 – 10.30 | Keynote I (angefragt) Klimagerechtigkeit als Prozess Prof. Dr. Klaus Dingwerth, School of Economics and Political Science, Universität St. Gallen (HSG) |
| 10.30 – 11.00 | Pause |
| 11.00 – 11.45 | Keynote II Klimagerechtigkeit in der Raumplanung: sichtbar oder zum Scheitern verurteilt? Elke Schimmel, november:city, Arnheim (NL) |
| 11.45 – 12.30 | Podiums-Diskussion Till Berger, Kanton Basel-Stadt Prof. Dr. Klaus Dingwerth, School of Economics and Political Science, Universität St. Gallen Elke Schimmel, november:city, Arnheim (NL) Moderation: Prof. Sonja Hug, Institut Soziale Arbeit und Gesundheit, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW |
| 12.30 – 13.45 | Mittagspause |
| ca. 13.45 | Treffpunkt für Abreise Exkursionen |
| 14.15 – 16.45 | Exkursionen |
| 17.15 – 18.30 | Gemeinsamer Apéro in in der Halle 7, Basel (mit Anmeldung) |
Programm am Freitag, 11. September 2026
FHNW Campus Muttenz (Aula), Hofackerstrasse 30, Muttenz
| 08.15 – 08.45 | Eintreffen & Willkommens-Kaffee |
| 08.45 – 09.00 | Begrüssung |
| 09.00 – 10.30 | Workshops |
| 10.30 – 11.00 | Pause |
| 11.00 – 12.45 | Sessions |
| 12.45 – 13.15 | Tagungs-Abschluss |
| 13.15 – 14.00 | Netzwerk-Lunch |
Keynotes und Diskussion
Donnerstag 10. September 2026, Vormittag
Prof. Dr. Klaus Dingwerth,
Professor für Politikwissenschaft, School of Economics and Political Science, Universität St. Gallen
Darüber, dass die Klimakrise eng mit Gerechtigkeitsfragen verknüpft ist, herrscht weitgehend Einigkeit. Schwieriger wird es, wenn wir uns darüber zu verständigen versuchen, was die viel zitierte «Klimagerechtigkeit» genau umfasst. Und schwer tun sich Gesellschaften auch mit der Aufgabe, die selbst gesetzten Idealen einer klimagerechten Ordnung zu verwirklichen. Der Vortrag zeichnet nach, woraus sich diese beiden Herausforderungen ergeben, und diskutiert, wie eine Annäherung an eine umfassendes Vorstellung der Klimagerechtigkeit angesichts dieser Herausforderungen gelingen könnte.
Elke Schimmel
Stadt- und Verkehrsplanerin, november:city, Arnheim (NL)
Die Raumplanung spielt eine zentrale Rolle bei der Umsetzung von Klimagerechtigkeit, indem sie normative Ansprüche in konkrete räumliche Entscheidungen übersetzt. Der Vortrag zeigt, wie klimabezogene Risiken und Ressourcen ungleich verteilt sind und warum Vulnerabilitäten sozial und räumlich differenziert auftreten. Anhand ausgewählter Beispiele werden Potenziale, Grenzen und Zielkonflikte klimagerechter Raumplanung sowie die dahinterliegenden politischen Aushandlungsprozesse diskutiert.
Till Berger, Leiter Fachstelle Klima, Kanton Basel-Stadt
Prof. Dr. Klaus Dingwerth, Professor für Politikwissenschaft, School of Economics and Political Science, Universität St. Gallen
Elke Schimmel, Stadt- und Verkehrsplanerin, november:city, Arnheim (NL)
Moderation:
Prof. Sonja Hug, Dozentin, Institut Soziale Arbeit und Gesundheit, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW
Exkursionen
Donnerstag, 10. September 2026, Nachmittag
Die Hin-/Rückfahrt erfolgt mit ÖV auf eigene Kosten (SBB-App, Tickets am Automat etc.)
Auf dieser Exkursion erhalten Sie Einblicke in die nachhaltige Entwicklung der Gemeinde Binningen, die direkt an Basel grenzt und sich durch hohe Lebensqualität sowie gute Erreichbarkeit auszeichnet.
Das Leitbild 2030 bildet den strategischen Rahmen für eine ökologisch, sozial und wirtschaftlich ausgewogene Gemeindeentwicklung. Es wurde partizipativ erarbeitet und dient als Orientierung für politische Entscheide.
Im Energiebereich setzt Binningen auf ambitionierte Instrumente: Ein Energieeffizienzbonus im Zonenreglement fördert Minergie‑P‑Standards und hat bereits zu über 80 zertifizierten Gebäuden geführt. Ergänzend unterstützt der 2014 gegründete und seit 2026 in seiner Förderpalette ausgeweitete Energiefonds energetische Sanierungen und den Einsatz erneuerbarer Energien.
Der Massnahmenplan Klimaanpassung analysiert Hitze‑Hotspots, Starkniederschlagsrisiken und Kaltluftbahnen und definiert konkrete Massnahmen in den Bereichen Stadtökologie, Wassermanagement und Gesundheit. Prioritäre Massnahmen werden seit 2023 umgesetzt.
Die Exkursion erlaubt Einblicke in die konkrete Ausgestaltung einer klimaneutralen Entwicklung, seiner politischen Verankerung im Gemeindekontext.
Philippe Meerwein, Gemeinde Binningen
Wie können Erfahrungen aus der Übergangsnutzung zur Ressource für den Umbau werden? Diese Exkursion führt ins Basler Klybeck-Quartier, in die ehemalige Aktienmühle, die über 100 Jahre die Region mit Mehl versorgte. Vor Ort erkunden wir, wie aus einem Industrieort ein inspirierendes Umfeld für Kreativität, Handwerk und Kleingewerbe entstehen konnte.
Wir zeigen, wie aus der Übergangsnutzung eine „Ästhetik der Sparsamkeit“ hervorging und wie sie die klimagerechte Transformation des Bestands prägt. Wir diskutieren, wie Co-Design und etappierte Prozesse soziale Gefüge erhalten, statt sie zu überschreiben. Entdecken Sie, wie aus einer temporären Nutzung eine gestalterische Haltung und aus dieser Architektur als lernendes Reallabor für die Stadt von morgen entstehen.
Marc Knellwolf, Metron Architektur AG, Brugg
Nachhaltigkeit wird in Basel aktiv gelebt. Hier engagieren sich sowohl die Bevölkerung als auch die Politik, Behörden und Institutionen intensiv für eine nachhaltige Zukunft der Stadt. Mit dem grössten Fernwärmenetz der Schweiz, einem Netto-Null-Ziel bis 2037 und zahlreichen Initiativen sind bereits wichtige Schritte getan.
Auf unserem Nachhaltigkeitsrundgang erfahren Sie, welche historischen Entwicklungen zum heutigen Stand beigetragen haben, welche Anstrengungen Stadt und Kanton sowie viele weitere Akteur*innen unternehmen, und wie lokale Verhaltensweisen und Massnahmen mit dem globalen Kontext zusammenhängen. Aktuelle Herausforderungen werden ebenso beleuchtet wie nachhaltige Lösungsansätze.
Die Exkursion bringt uns zu bekannten und unbekannten Ecken Basels.
Laura Haak, Basel Tourismus
Der Birsmattehof in Therwil am Rand des Grossraums Basel gehört zu den Pionieren der solidarischen Landwirtschaft in der Schweiz. Bereits Anfang der 1980erJahre gründeten Konsument:innen eine Genossenschaft, um sich selbst mit regionalem Bio-Gemüse zu versorgen – ein früher und eindrucksvoller Schritt hin zu mehr Ernährungssouveränität und fairen Wertschöpfungsketten.
Heute wirtschaftet der Hof nach den Richtlinien von Bio Suisse. Er wird von der Agrico Genossenschaft getragen, die ca. 850 Mitglieder umfasst und in der Konsumierende und Produzierende eng zusammenarbeiten. Diese Form des Bewirtschaftens ermöglicht nicht nur frische, saisonale Lebensmittel, sondern auch eine gerechtere Verteilung der Produktionskosten sowie eine faire Entlöhnung der Arbeit auf dem Feld.
Ein zentrales Element dieser Landwirtschaft ist das gemeinsame Tragen von Verantwortung: Kund:innen und Genossenschafter:innen bekennen sich mit einem Gemüseabo dazu, das Gemüse abzunehmen, das der Acker in dieser Saison und in diesem Jahr hervorbringt. Sie entscheiden selbst, wie sie sich beteiligen möchten: entweder als Kund:innen, indem sie einen höheren Preis für das Gemüseabo bezahlen, oder als Genossenschafter:innen, indem sie einen Teil des Beitrags mit Arbeitsstunden auf dem Hof leisten und dafür ein günstigeres Abo erhalten.
Gleichzeitig wird die Wertschätzung für bäuerliche Arbeit gestärkt, und Lebensmittel gelangen ohne unnötige Transportwege oder Verluste zu den Haushalten.
Der Birsmattehof steht damit exemplarisch für Ernährungsgerechtigkeit: Er zeigt, wie regionale Versorgung, faire Arbeitsbedingungen, ökologische Landwirtschaft und aktive Teilhabe zu einem resilienten Ernährungssystem beitragen können. Ein System, in dem Konsument:innen nicht nur einkaufen – sondern Teil einer gemeinschaftlich getragenen Landwirtschaft sind.
Agrico Genossenschaft für Birsmattehof
Auf dieser Exkursion ins grösste Transformationsareal in Basel erhalten Sie Einblicke in die Entwicklung des ehemaligen Industrieareals im Norden Basels zu einem offenen, grünen und durchmischten Stadtteil. Auf dem rund 30 Hektar grossen Klybeck-Areal entstehen Wohnraum für rund 8’500 Menschen – davon ein Drittel in Kostenmiete – sowie 7’500 Arbeitsplätze. Im November 2025 haben die beiden Grundeigentümerinnen und der Kanton Basel-Stadt als Planungspartner das Richtprojekt vorgestellt.
Die Exkursion zeigt anhand eines grossformatigen Stadtteilmodells und den Präsentationsplänen des Richtprojekts diesen Meilenstein im Planungsprozess. Eine anschliessende Begehung des Areals macht den derzeitigen Stand der Transformation erlebbar. Im Fokus der Exkursion stehen die sozialen Aspekte im Planungsprozess und deren Umsetzung durch die verschiedenen Akteure – über die Planungsphasen städtebauliches Leitbild, Richtprojekt bis zur Nutzungsplanung.
Nicole Dresemann, Kantons- und Stadtentwicklung Basel-Stadt
Auf dieser Exkursion entdecken Sie, wie Basel zu einer Stadt wird, in der Ernährung, Nachhaltigkeit, soziale Teilhabe und urbane Landwirtschaft eng miteinander verknüpft sind. An drei beispielhaften Stationen erleben Sie, wie lokale Initiativen neue Formen des städtischen Zusammenlebens und -essens ermöglichen.
Wir erleben, wie lokale Ernährung, Biodiversitätsförderung und Engagement der Quartierbevölkerung verknüpft werden können. Und wie aus Konsumenten Prosumenten werden, und so Urban Gardening zu einem Baustein einer resilienten, zukunftsorientierten Stadt werden kann. Sie erfahren, welche Möglichkeiten zu einer lebendigen Zwischennutzung existieren und wie grüne Inseln als Begegnungsorte mitten in der Stadt funktionieren können. Gezeigt werden auch unterschiedliche Möglichkeiten, Gemeinschaftsgärten zu beleben und zu nutzen.
Tatjana Nebel, Urban Agriculture Basel
Auf dieser Exkursion lernen Sie das LeNa‑Haus auf dem Basler Westfeld kennen – ein Vorzeigeprojekt für nachhaltige Stadtentwicklung und neue Wohnformen. Die Genossenschaft Lebenswerte Nachbarschaft (LeNa) hat hier gemeinsam mit wohnen&mehr ein Wohnmodell realisiert, das ökologische, soziale und räumliche Nachhaltigkeit verbindet.
Das Haus bietet seit 2023 rund 170–180 Menschen vielfältige Wohnformen und richtet sich an Personen, die gemeinschaftlich und ressourcenschonend leben möchten. Das Westfeld wird insgesamt zu einem durchmischten, städtischen Quartier mit 500 Wohnungen, öffentlichen Nutzungen und einem klaren Fokus auf kompakte Bauweisen und gemeinschaftliche Erdgeschosse entwickelt.
Im Zentrum des LeNa-Konzepts steht das „Wohnen auf kleinem Fuss“, mit durchschnittlich 32 m² Wohnfläche pro Person, kombiniert mit zahlreichen Gemeinschaftsbereichen wie Initiativräumen, Terrassen, Spielzonen und geteilten Haushaltsräumen. Die privaten Bereiche bleiben bewusst klein, während gemeinschaftlich genutzte Infrastrukturen – vom Lebensmitteldepot bis zur Waschküche – die Alltagsorganisation erleichtern. Die öffentlich zugängliche Cantilena . zugleich Lobby, Treffpunkt und Restaurant – zeigt, wie Architektur Begegnungen im Quartier fördern kann.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die nachhaltige Alltagsversorgung: Das Lebensmitteldepot wird direkt durch regionale Solawi‑Betriebe beliefert, wodurch Transportwege verkürzt und faire Preise für Produzentinnen gesichert werden.
Gebäude und Betrieb orientieren sich zudem an den Vorgaben der 2000‑Watt‑Gesellschaft. Die Bewohnerinnen organisieren viele Abläufe selbst in Arbeitsgruppen – ein Ansatz, der ökologische und soziale Verantwortung verbindet. Das LeNa‑Haus zeigt beispielhaft, wie ein dichtes Stadtquartier nachhaltiges, gemeinschaftliches und flexibel anpassbares Wohnen ermöglichen kann – und damit einen wichtigen Beitrag zu einer zukunftsfähigen Stadt leistet.
Roger Portmann, Bau- und Wohngenossenschaft Lebenswerte Nachbarschaft – LeNa, Basel
Das Franck Areal in Basel befindet sich im Wandel zu einem zukunftsweisenden Quartier, das Nachhaltigkeit in all ihren Dimensionen ins Zentrum stellt. Das ehemalige Industrieareal wird es heute schrittweise transformiert, um Ziel, ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte gleichermassen zu stärken. Nachhaltigkeit ist der Ausgangspunkt aller Projektideen.
Klimafreundliche Energie- und Wasserkonzepte, der Erhalt der bestehenden Bausubstanz und die Wiederverwendung von Materialien setzen neue Massstäbe im nachhaltigen Umbau. Zugleich entsteht ein Ort, der bewusst Raum für Begegnung schafft. Öffentliche Aussenflächen laden zum Verweilen ein, kulturelle und soziale Angebote fördern Austausch und Teilhabe. Auf dem Areal entstehen zudem Räume für Kreislaufwirtschaft, innovative Geschäftsmodelle und gemeinschaftliche Wohnformen – ein lebendiges Experimentierfeld für gesellschaftliche Innovation. Die enge Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen und der FHNW unterstützt die Umsetzung dieser ambitionierten Vision.
Auf unserer Exkursion erfahren Sie, wie dieser Transformationsprozess gestaltet wird, welche Akteurinnen und Akteure daran beteiligt sind und wie aus Ideen konkrete Lösungen entstehen. Wir beleuchten, wie ökologische Massnahmen, soziale Anliegen und wirtschaftliche Überlegungen ineinandergreifen und was das Franck Areal zu einem Modellprojekt für nachhaltige Quartierentwicklung macht.
Eric Honegger, Franck Areal Basel
Bei dieser Exkursion besuchen wir den Quartiertreff vom grössten Basler Quartier: Im St. Johann laufen im Quartiertreffpunkt LoLa die Fäden der Gemeinwesenarbeit zusammen.
Die Auseinandersetzung der Treffleitung und der Besucher:innen mit den Themen Klimawandel und Nachhaltigkeit gewann in den letzten Jahren an Wichtigkeit. Im LoLa treffen wir Quartierarbeiter und andere engagierte Personen, die Klimagerechtigkeit und Nachhaltigkeit im Alltag der Menschen verankern wollen. Gemeinsam mit den Gästen sollen die Räume vom LoLa Räume der Veränderung sein. Aktuelle Ansätze und Projekte werden vorgestellt. Das LoLa soll ein grüner Treff sein – und weiterhin werden.
Nach der Pandemie entwickelt die Leitung des LoLa ein Nachhaltigkeitskonzept. Es entstanden verschiedene Mikro-Ansätze, um im alltäglichen Handeln dem Klimawandel im Kleinen entgegenzutreten. Dies geschah und geschieht mit verschiedenen Partnern aus dem Quartier, aus Ökonomie, Kanton und Zivilgesellschaft.
Jan Götschi, Quartiertreffpunkt LoLa St. Johann
Felix Graf, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW, Muttenz
Dieser Programmpunkt findet vor Ort in Halle 7 statt.
Wie können Städte gerechter, lebenswerter und widerstandsfähiger gegenüber der Klimakrise gestaltet werden? Drei exemplarische Projekte aus Forschung, Planung und Praxis geben Einblick in innovative Wege der urbanen Transformation. Sie zeigen, wie Beteiligung, soziale Nachhaltigkeit und naturbasierte Lösungen zusammenspielen und laden ein, übertragbare Learnings zu diskutieren und gemeinsam darüber nachzudenken, welche Schritte zu einer klimagerechten Stadt beitragen können.
Anne Uphoff, Genossenschaft FAB-A, Biel
Co-Autor:
Roman Tschachtli, Genossenschaft FAB-A, Biel
Das intergenerationelle Wohnbauprojekt Emilja verbindet ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit. Es fördert soziale Teilhabe, reduziert den Flächenverbrauch und setzt auf klimaresiliente, ressourcenschonende Bauweisen. Mit einem partizipativen Planungsansatz entstehen bezahlbare Wohnformen mit gemeinschaftlich genutzten Flächen, die die Bildung einer Caring Community ermöglichen sollen. Materialien werden wiederverwendet, Lowtech-Lösungen stärken die langfristige ökologische Tragfähigkeit, und autofreie Konzepte schaffen Raum für soziale und ökologische Nutzung.
Die Aktivitäten hinsichtlich der Bauplanung umfassen u. a. öffentliche Workshops, die Möglichkeit der Zwischennutzungen und digitale Beteiligungsformen. Die Genossenschaft FAB-A verantwortet das Projekt mit einer interdisziplinären, hierarchiearmen Baukommission.
Welchen Beitrag kann die Soziale Arbeit in diesem Prozess leisten, um lokale Veränderungen wirkungsvoll mitzugestalten?
Raimund Kemper,
IFSAR Institut für Soziale Arbeit und Räume, OST Ostschweizer Fachhochschule, Rapperswil
Co-Autor*innen:
Madara Dobele,
INSTITUTION, ORT
Daniela Epple,
IFSAR Institut für Soziale Arbeit und Räume, OST Ostschweizer Fachhochschule, Rapperswil
Prof. Dr. Selina Ingold,
IDEE Institut für Innovation, Design und Engineering, OST Ostschweizer Fachhochschule
Fabiano Lemes de Oliveira,
INSTITUTION, ORT
Liu Hai-Ying,
INSTITUTION, ORT
Dieser Beitrag präsentiert erste Erkenntnisse aus dem internationalen Forschungsprojekt NatureScape (2025–2028). Das Projekt richtet den Blick auf naturbasierte Lösungen in Städten (NBS) nach ihrer Umsetzung, denn erst dann zeigt sich, ob Klimagerechtigkeit tatsächlich erreicht wird. NBS wie Gemeinschaftsgärten, Dachbegrünungen oder temporäre Grünräume sollen die Klimaresilienz, die Biodiversität und das Wohlbefinden fördern. Ihre langfristige Wirkung hängt jedoch davon ab, wie gerecht sie verteilt und zugänglich sind und wie kontinuierlich Teilhabe ermöglicht wird.
NatureScape untersucht in sieben europäischen Städten, welche Strategien zur Verstetigung und Weiterentwicklung von NBS beitragen und welche politischen und administrativen Strukturen nötig sind, um Klimagerechtigkeit sicherzustellen. Erste Erkenntnisse zeigen, dass Zugänglichkeit, Teilhabe und klare Verantwortlichkeiten entscheidend dafür sind, ob NBS langfristig zu mehr Gerechtigkeit führen – oder neue Ungleichheiten erzeugen.
Catherine Heinzer, Kantons- und Stadtentwicklung, Kanton Basel-Stadt
Nicole Morellini, Kantons- und Stadtentwicklung, Kanton Basel-Stadt
In einem Superblock sind die Quartierstrassen verkehrsberuhigt und können vielfältig nutzt werden. Dadurch schaffen Superblocks mehr Raum für das Quartierleben und sind ein Ort zum Wohlfühlen, Spielen und Verweilen. Im Katon Basel-Stadt wurde Idee, Superblocks zu testen, durch die Bevölkerung und Politik lanciert. Daraufhin hat der Kanton Basel-Stadt im 2025/2026 je einen Superblock in den Quartieren Matthäus und St. Johann getestet.
Wir blicken auf die Tests und die beiden unterschiedlichen Ansätze der Entwicklung im partizipativen Prozess mit der Bevölkerung sowie die jeweilige Ausstattung zurück. Sie erfahren, wie die Testphase im Austausch mit der Bevölkerung und weiteren Stakeholdern begleitet wurde und welche Erkenntnisse daraus gewonnen werden konnten. Die Tests wurden im Sinne von «Stadt als Labor» durchgeführt, um möglichst viele Erfahrungen für die zukünftige Gestaltung des öffentlichen Raums zu sammeln. Thematisiert wird auch die Frage, welchen Bezug die Superblock-Tests zur Klimagerechtigkeit haben und welchen Beitrag sie zum öffentlichen Diskurs über die Transformation des Strassenraums geleistet haben.
Workshops
Freitag, 11. September 2026, 09.00 – 10.30 Uhr
Prof. Dr. Christian Schröder, Fakultät für Sozialwissenschaften, Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (htw saar), Saarbrücken (D)
Klimagerechtigkeit stellt Städte und Quartiere vor die Aufgabe, ökologische Verantwortung, soziale Gerechtigkeit und demokratische Teilhabe miteinander zu verbinden. Besonders deutlich wird dies in Stadtteilen mit prekären Wohn- und Lebensverhältnissen. Dort sind Menschen am stärksten von den Folgen der Klimakrise betroffen sind, obwohl sie am wenigsten zu ihr beitragen.
Anhand von Beispielen aus der sozialräumlichen Praxis wird diskutiert, wie die Schnittstellen von Quartiersentwicklung, Klimaanpassung und Sozialer Arbeit gestaltet werden können. Im gemeinsamen Dialog werden Perspektiven auf Beteiligungsmethoden, interdisziplinäre Zusammenarbeit sowie Handlungsmöglichkeiten für eine klimagerechte Stadtentwicklung auf Quartiersebene erarbeitet.
Wie lassen sich soziale, ökologische und demokratische Perspektiven im Quartier verbinden?
Nils Kampschulte, Hochschule für Gesellschaftsgestaltung (HfGG), Koblenz (D)
Eva Weides, Hochschule für Gesellschaftsgestaltung (HfGG), Koblenz (D)
Die Klimakrise stellt Städte und Quartiere vor tiefgreifende soziale und ökologische Transformationsaufgaben. Soziale Arbeit kann hierbei als gestaltende gesellschaftliche Akteurin wirken: Sie ermöglicht Beteiligung, initiiert lokale Veränderungsprozesse und eröffnet neue Perspektiven solidarischer Stadtentwicklung. Voraussetzung dafür sind visionäre Zukunftsbilder und alternative Narrative.
Im Workshop wird diskutiert, wie Imagination als Methode und Haltung innerhalb der Sozialen Arbeit eingesetzt werden kann, um Handlungsperspektiven für eine klimagerechte Stadt zu entwickeln. Im gemeinsamen Austausch werden Zukunftsannahmen reflektiert, kollektive Imaginationsräume erprobt und die Bedeutung entsprechender Methoden für sozialarbeiterische Praxis im Kontext lokaler Klimagerechtigkeit ausgelotet.
Wie können Imaginationsräume neue Handlungsperspektiven für klimagerechte Städte eröffnen?
Leila Rudzki, Mediendesign und Raumgestaltung, Bergische Universität Wuppertal (D)
Eine klimagerechte und soziale Stadtentwicklung erfordert die gemeinsame Aushandlung ökologischer, sozialer und demokratischer Zielsetzungen. Die urbane Transformation ist dabei nicht nur eine planerische, sondern auch eine gesellschaftliche Gestaltungsaufgabe, an der unterschiedliche Akteur*innen beteiligt sind.
In einem partizipativen Rollenspiel wird im Workshop erkundet, wie ein solches Leitbild für eine klimagerechte und soziale Stadtentwicklung entstehen kann. Dabei werden unterschiedliche Perspektiven aus Politik, Sozialplanung, Stadtentwicklung, Zivilgesellschaft und Umweltinitiativen zusammengebracht. Zielkonflikte und Synergien werden reflektiert und zentrale Leitlinien für die Gestaltung lebenswerter Quartiere erarbeitet.
Wie entstehen gemeinsame Leitlinien zwischen sozialen, ökologischen und demokratischen Ansprüchen?
Marcel Leibacher, enovation.one, Schaffhausen
Die lokale Energiewende kommt vielerorts nur schleppend voran. Technologische Lösungen und Förderinstrumente allein erweisen sich als unzureichend, wenn Beteiligung fehlt und soziale sowie demokratische Fragen unbeantwortet bleiben. Widerstände, Verzögerungen und Akzeptanzprobleme machen deutlich, dass Energieprojekte immer auch Fragen der Klimagerechtigkeit und Mitgestaltung berühren.
Gemeinsam wird diskutiert, wie Beteiligungsprozesse als zentraler Erfolgsfaktor für eine sozial gerechte und lokal verankerte Energiewende wirken können. Es werden praxisorientierte Ansätze vorgestellt und anhand von Beispielen wird ausgelotet, an welchen Schnittstellen Partizipation Akzeptanz stärkt, Prozesse beschleunigt und Handlungsspielräume für Akteur*innen aus Verwaltung, Planung und Zivilgesellschaft eröffnet.
Wie beschleunigt Beteiligung eine sozial gerechte und lokal verankerte Energiewende?
Andy Limacher, ProjektForum, Bern
Co-Autor:
Stefan Tittmann, ProjektForum, Bern
Das Zukunfts-Kafi ist ein erprobtes Beteiligungsformat, das Menschen unterschiedlicher Generationen und Hintergründe zusammenbringt, um gemeinsam kommunale Zukunftsfragen zu diskutieren. Im Mittelpunkt stehen Austausch, Begegnung und die gemeinsame Entwicklung von Zukunftsbildern für eine klimaneutrale, lebenswerte und gerechte Stadt oder Gemeinde.
Im Workshop wird ausgelotet, wie das Zukunfts-Kafi als partizipativer Prozess die Gestaltung einer nachhaltigen Klima-Zukunft unterstützen kann. Dabei werden Methodik, Ablauf und Praxisbeispiele vorgestellt, und ausgelotet, wie Beteiligung lokale Projekte anstossen, Kooperationen stärken und gemeinsames Handeln vor Ort ermöglichen kann.
Wie lassen sich Bevölkerung, Projekte und Klima-Zukunft vor Ort wirksam verbinden?
Dr. Annika Sohre, Universität Basel
Prof. Dr. Simon Sohre, Institut für nachhaltigen gesellschaftlichen Wandel e.V., Freiburg (D)
In diesem Workshop lernen die Teilnehmenden, wie sie Menschen aktiv in Co-Creation-Prozesse einbinden können. Co-Creation-Workshops bringen Personen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammen, um gemeinsam Ideen und Lösungen zu entwickeln.
Die Teilnehmenden erfahren, wie sie solche Workshops und Fokusgruppen planen, durchführen und auswerten. Durch praxisnahe Inputs, Übungen und Diskussionen erwerben sie die notwendigen Fähigkeiten für eine erfolgreiche Umsetzung.
Hauptziele:
- Co-Creation-Workshops und Fokusgruppen mit Bürgern und Interessengruppen vorbereiten, durchführen und evaluieren
- Methoden zur wirkungsvollen Verbreitung der Ergebnisse kennenlernen
- Praxiserfahrungen zur Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren austauschen
Wie lassen sich Co-Creation-Workshops so planen und umsetzen, dass sie die Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren nachhaltig stärken?
Tobias Bauer, FAMBAU, Bern
Tom Lang, VBG Vereinigung Berner Gemeinwesenarbeit, Bern
Magdalena Preimesberger, FAMBAU, Bern
Trotz Verdichtungsbemühungen steigt die Wohnfläche pro Kopf in der Schweiz weiter an. In vielen Städten fehlt es an bezahlbarem Wohnraum für Familien, während ältere Menschen oft allein in grossen Wohnungen leben. Neubauten verursachen grosse Mengen an CO2-Emmissionen und schaden dem Klima. Dies wirft die Frage auf, wie eine bessere Nutzung bestehender Wohnungen angestrebt werden könnte.
Der „Salon Tscharni” in Bern zeigt einen möglichen Ansatz: Als Informations- und Austauschort unterstützt er ältere Menschen dabei, in passendere Wohnungen im Quartier umzuziehen. So könnte Wohnraum gerechter verteilt und Ressourcen geschont werden. Im Workshop diskutieren wir die Übertragbarkeit dieses Ansatzes sowie Chancen und Hürden und erarbeiten weitere Lösungsansätze.
Wie können Unterstützungsangebote Menschen zu passenden Wohnsituationen begleiten – und so eine gerechtere Nutzung von Wohnraum ermöglichen?
Dr. Martin Lenz, Bürgermeister a. D., Karlsruhe (D)
Angesichts steigender Mieten, Wohnraummangels und der ökologischen Belastungen des Bauens gewinnen neue Ansätze der Wohnraumpolitik an Bedeutung. Vor dem Hintergrund des Klimawandels und einer zunehmenden Marktlogik stellt sich die Frage, wie bestehender Gebäudebestand sozial und ökologisch sinnvoll genutzt werden kann. Leerstehende Gebäude bieten dabei wichtige Möglichkeitsräume für eine Kultur des Umbaus und kreative Nachnutzungen.
Im Workshop werden Ansätze der Stadt Karlsruhe vorgestellt, die im Rahmen des Programms „Wohnraumakquise durch Kooperation“ leerstehenden Bestand für die soziale Wohnraumversorgung erschliessen. Anhand von Beispielen wie dem Umbau der ehemaligen Klinik „Haus Turmbergblick“ oder aktuellen Entwicklungen im „Dörfle“ wird diskutiert, wie kommunale Strategien zur Aktivierung von Leerstand beitragen und sozial gerechtere Wohnraumstrukturen fördern können.
Wie können Kommunen Leerstand aktivieren, um sozial gerechtes und ökologisch verantwortliches Wohnen zu fördern?
Sessions
Freitag, 11. September 2026, 11.00 – 12.45 Uhr
Die Energiewende ist ein zentraler Hebel der sozial-ökologischen Transformation und betrifft sowohl technische Systeme als auch soziale Strukturen und Fragen der Teilhabe. Die Session beleuchtet drei Perspektiven: soziale Folgen energetischer Sanierungen, kooperative Ansätze auf Quartiersebene sowie kommunale Strategien für eine sozial gerechte Klimaförderung.
Moderation: NN
Dr. Luisa Gehriger PhD, ETH Wohnforum, Zürich
Co-Autorinnen:
Dr. Jennifer Duyne Barenstein PhD, ETH Wohnforum, Zürich
Salome Rohner, ETH Wohnforum, Zürich
Dr. Hannah Widmer PhD, ETH Wohnforum, Zürich
Anhand von Fallstudien in Zürich, St. Gallen und Amriswil (Projekt ReHousIn) wird untersucht, welchen Einfluss energetische Sanierungen auf Mietmärkte und Wohnungsungleichheiten haben. Die Ergebnisse zeigen, dass lokal spezifische Marktmechanismen entscheidend sind. In wachsenden Städten führen Sanierungen häufig zu Mietsteigerungen und Verdrängung, während in schwächeren Märkten ein Sanierungsstau entsteht. Energetische Massnahmen stehen somit in einem Spannungsfeld zwischen Klimazielen und sozialer Gerechtigkeit.
Prof. Dr. Ulrike Sturm, Institut für Soziokulturelle Entwicklung, HSLU Soziale Arbeit, Luzern
Co-Autorinnen:
Elena Ackermann, Institut für Soziokulturelle Entwicklung, HSLU Soziale Arbeit, Luzern
Prof. Alexa Bodammer, Institut für Soziokulturelle Entwicklung, HSLU Soziale Arbeit, Luzern
Dr. Corinne Schwaller, Institut für Soziokulturelle Entwicklung, HSLU Soziale Arbeit, Luzern
Im Zentrum steht das QUBE-Prozessmodell, das in Quartieren in Luzern sowie Kriens/Horw entwickelt wurde. Es bringt Akteur:innen aus Technik, Planung und interessierte Bewohner:innen und Eigentümerschaft sowie kommunaler wie kantonaler Verwaltung zusammen, um lokale Lösungen für eine erneuerbare Energieversorgung zu fördern. Der Fokus liegt auf soziotechnischen Transformationsprozessen sowie Fragen der Teilhabe, Machbarkeit, sowie Investitionen und fairen Lastenverteilung und damit auf konkreten Ansätzen für kooperative Energielösungen auf Quartiersebene.
Sebastian Kreimer, CSR-Office, Fachhochschule Dortmund (D)
Co-Autorinnen:
Kim Ismer, Studentin MAS Soziale Nachhaltigkeit & Demografischer Wandel an der Fachhochschule Dortmund (D)
Marie Runge, Studentin MAS Soziale Nachhaltigkeit & Demografischer Wandel an der Fachhochschule Dortmund (D)
Klimaförderprogramme sollen Städte auf dem Weg zur Klimaneutralität unterstützen. Fragen der sozialen Teilhabe wurden dabei jedoch lange Zeit nur unzureichend berücksichtigt. Vor diesem Hintergrund hat das Projekt GRUND:KLIMA am Beispiel der Stadt Dortmund die kommunale Förderlandschaft unter sozialen Gesichtspunkten analysiert. Dabei wurden Fördermassnahmen nicht nur als Instrument zur Stärkung der Akzeptanz von Klimaschutz, sondern auch als Möglichkeit zur aktiven Mitgestaltung städtischer Entwicklungen identifiziert.
Die Schweiz ist gebaut! Und genau darin liegt die Chance für eine kooperative Stadtentwicklung, die soziale Beziehungen und Nachbarschaftsnetzwerke als Ressource begreift. Am Beispiel des Neubad Luzern zeigt die Session, wie ein zum Abriss freigegebenes Hallenbad durch eine Übergangsnutzung zum urbanen Inkubator wurde – ein inklusiver Ort, der Begegnung, Engagement und Kooperation fördert und heute aus dem Stadtraum nicht mehr wegzudenken ist. Daran knüpft die Leitfrage an: Inwiefern können urbane Inkubatoren gezielt als Orte sozialer Innovation eingesetzt und Übergangsnutzungen als Instrument für eine klimagerechte Stadtentwicklung gefördert werden?
Moderation: Lars C. Schuchert, Hochschule Luzern – Technik & Architektur, Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur (CCTP), Horw
Martin Wyss, Soziologe und Nachhaltigkeitsexperte, Metron Architektur AG, Brugg
Gebäude sind nicht nur Hüllen – entscheidend ist, was wir in ihnen sehen und wie wir sie bespielen. Der Beitrag zeigt, wie Zwischennutzungen unseren Blick erweitern und produktive Mehrdeutigkeit erzeugen: Ambivalenzen, die – klug kuratiert und verknüpft – Gebäude zu Grenzobjekten machen, an denen unterschiedliche Interessen anschlussfähig werden. Plötzlich sehen wir nicht mehr einen obsolet gewordenen Betonkoloss, sondern ein kulturelles und soziales Juwel, das unbedingt erhalten bleiben muss; nicht zuletzt als Beitrag gegen den Klimakollaps durch Bestandserhalt.
Selina Lutz, Hochschule Luzern – Technik & Architektur, Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur (CCTP), Horw
Jara Malevez, Hochschule Luzern – Technik & Architektur, Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur (CCTP), Horw
Zehn Jahre Zwischennutzung als Labor einer sozial- und klimagerechten Stadtentwicklung: Eine filmische Annäherung beleuchtet die Dynamiken kooperativen Handelns. Im Zentrum steht die Frage, wie sich temporär erprobte, partizipative Praktiken und deren gewonnene Qualitäten erfolgreich in dauerhafte Stadtentwicklungsprozesse überführen lassen.
C. Lars Schuchert, Hochschule Luzern – Technik & Architektur, Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur (CCTP), Horw
Prof. Dr. Peter Schwehr, Hochschule Luzern – Technik & Architektur, Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur (CCTP), Horw
Minimalinvasive Eingriffe und hybride Nutzungen verwandeln bestehende Strukturen in „urbane Inkubatoren“. Diese schaffen gezielt Mikroklimata für soziale Innovation und stärken die stadträumliche Resilienz. Der Beitrag erläutert, wie aktivierte Ressourcen und lokale Netzwerke faire Aushandlungsprozesse im Quartier fördern und die Transformation zu einer produktiven, grünen und gerechten Stadt unterstützen.
Martin Wyss, Metron Architektur AG, Brugg
Kreativwirtschaft, Kultur, Entwicklung – schön und gut. Aber führen urbane Inkubatoren nicht oft auch zu Gentrifizierung und Verdrängung? Was es insbesondere in vulnerablen Quartieren bedeutet, mit bestehenden Strukturen zu arbeiten – und wie sich dadurch Prozesse und letztlich Projekte verändern – zeigt der Beitrag am Beispiel Sagenmatt 7. Das Umnutzungsprojekt eines Industriegebäudes zu Wohnraum im Luzerner Basel-/Bernstrassenquartier verdeutlicht, wie sozialraumsensitive Planung aussehen kann und welche Rolle Übergangsnutzungen dabei spielen.
Partizipation ist ein zentraler Baustein zukunftsfähiger Stadt- und Quartiersentwicklung. In der Session werden anhand von drei Praxisbeispielen kooperative Prozesse, Beteiligungsformate und integrierte Planung in unterschiedlichen räumlichen Kontexten vorgestellt. Der Fokus liegt auf der gemeinsamen Entwicklung tragfähiger Konzepte, der Verbindung von sozialen, räumlichen und klimatischen Anforderungen sowie der Rolle von Mitwirkung für Identität, Qualität und langfristige Umsetzung.
Moderation: Peja Gasparevic, PVLA AG Landschaftsarchitektur, Vaduz (LI)
Peja Gasparevic, PVLA AG Landschaftsarchitektur, Vaduz (LI)
Co-Autor:in:
Karen Flügel, PVLA AG Landschaftsarchitektur, Vaduz (LI)
Peter Vogt, PVLA AG Landschaftsarchitektur, Vaduz (LI)
Bei der Neugestaltung zentraler Plätze und Strassen in Mayrhofen steht die Schaffung klimaresilienter, multifunktionaler Räume mit hoher Aufenthaltsqualität im Mittelpunkt. Grünstrukturen verbessern das Mikroklima und stärken die soziale Nutzung. Der Entwicklungsprozess basierte auf intensiver Beteiligung mit Dorfwerkstätten, Ateliers und offenen Formaten. Bevölkerung, Gemeinde und Planungsteam erarbeiteten gemeinsam ein ortsbezogenes, identitätsstiftendes Konzept für ein zukunftsfähiges Ortszentrum.
Karen Flügel, PVLA AG Landschaftsarchitektur, Vaduz (LI)
Co-Autor:in:
Peja Gasparevic, PVLA AG Landschaftsarchitektur, Vaduz (LI)
Peter Vogt, PVLA AG Landschaftsarchitektur, Vaduz (LI)
Das Gesamtkonzept für Gamprin–Unterbendern reagiert auf hohe Verkehrsbelastung mit einer integrierten Entwicklung von Siedlung, Mobilität und Freiraum. Im Zentrum steht die Ausbildung einer neuen, grünen Mitte als verbindendes Element. Fünf Leitprinzipien strukturieren die Entwicklung. Die Einbindung der Bevölkerung in Beteiligungsformaten unterstützte die Ausarbeitung eines tragfähigen Leitbilds für die langfristige Gemeindeentwicklung.
Dr. Sabine Wolf, Thiesen & Wolf GmbH, Zürich
Im Koch-Quartier entwickeln vier Bauträger:innen gemeinsam ein neues Stadtquartier mit Wohn- und Freiraumqualitäten. Zentrale Grundlagen wurden in einem partizipativen Begleitprozess erarbeitet. Themen wie Stadtklima, Schwammstadt, Mobilität und Flächeneffizienz sind integraler Bestandteil der Planung. Die Kooperation reicht bis in den Betrieb: Ein gemeinsames Quartiermanagement sichert die langfristige Organisation und Nutzung.
Die sozial-ökologische Transformation verläuft räumlich unterschiedlich und ist eng mit sozialen Ungleichheiten sowie ungleichen Wissens- und Handlungsvoraussetzungen verknüpft. Die Session richtet den Blick auf Sozialräume als Schlüssel zum Verständnis dieser Differenzen und ihrer Entwicklungspotenziale. Im Fokus stehen Quartiere als Orte von Aushandlung, Teilhabe und Transformation – sowie die Frage, wie sozialräumliche Perspektiven helfen können, gerechtere und wirksamere Veränderungsprozesse zu gestalten.
Moderation:
Prof. Dr. Marius Otto, Fakultät Soziale Arbeit, Hochschule Landshut (D)
Prof. Dr. Marius Otto, Fakultät Soziale Arbeit, Hochschule Landshut (D)
Quartiere sind zentrale Orte der sozial-ökologischen Transformation, zugleich sind sie jedoch von sozialen Spaltungen geprägt. Der Beitrag zeigt, wie benachteiligten Quartieren oft eine geringe Transformationsfähigkeit zugeschrieben wird oder wie standardisierte Leitbilder an lokalen Realitäten vorbeigehen. Gefordert werden eine differenzierte sozialräumliche Analyse sowie eine stärkere Einbindung der Bevölkerung. Transformation wird als ko-produktiver Prozess verstanden, der soziale und bauliche Aspekte integriert und neue Bilder von zukunftsfähigen Quartieren entwickelt.
Prof. Dr. Markus Eckl, Fachbereich Sozialwesen, Hochschule Fulda (D)
Prof. Dr. Stefan Weidmann, Fachbereich Sozialwesen, Hochschule Fulda (D)
Soziale Ungleichheit spiegelt sich in räumlich ungleichen Voraussetzungen für klimagerechte Transformation wider. Der Beitrag plädiert für eine Stadtentwicklung, die sozialräumliche, sozioökonomische und mikroklimatische Faktoren zusammendenkt und die lebensweltliche Expertise der Bevölkerung einbezieht. Diskutiert werden analoge und digitale Räume der Beteiligung sowie deren Verknüpfung. Ziel ist es, Partizipation so zu gestalten, dass Vertrauen gestärkt und Transformationsprozesse breiter getragen werden.
Leila Rudzki, Mediendesign und Raumgestaltung, Bergische Universität Wuppertal (D)
Die Fallstudie „StrassenOase!“ in Wuppertal zeigt, wie partizipative Prozesse zur Entwicklung klimagerechter Stadträume beitragen können. Ein politischer Rückschlag während der Umsetzung machte die Spannungen zwischen der zivilgesellschaftlichen Initiative und institutionellen Strukturen sichtbar. Die Reaktionen darauf verdeutlichen, wie aus Konflikten neue Formen von Engagement, Resilienz und kollektiver Handlungskraft entstehen können und welche Rolle partizipative Gestaltung dabei spielt.
Die sozial-ökologische Transformation wirft grundlegende Fragen nach Gerechtigkeit, Machtverhältnissen und der Rolle kommunaler Akteur:innen auf. Die Session beleuchtet, wie bestehende Ungleichheiten durch Nachhaltigkeitsstrategien verstärkt oder überwunden werden können. Im Fokus stehen sozialraumsensible Ansätze, solidarische Praktiken sowie die neuen Rollen von Planung und Sozialer Arbeit. Diskutiert wird, wie integrierte Strategien, lokale Perspektiven und reflexive Planungsansätze zu einer gerechteren Transformation beitragen können.
Moderation: NN
Silvan A. Bohnet, Experte Areal- und Immobilienentwicklung, Basel
Bei der Stadtentwicklung müssen vielfältigen und teils widersprüchliche Anforderungen berücksichtigt werden: gesetzliche Vorgaben, Klimastrategien, soziale Forderungen und Partizipationsprozesse. Der Beitrag fragt, wie die beteiligten Akteur:innen mit diesen Zielkonflikten umgehen und wo zentrale Weichen gestellt werden. Im Fokus stehen Qualitätsziele, ungenutzte Potenziale und Motive für eine klimagerechte Stadtentwicklung sowie kritische Einblicke aus der Planungspraxis.
Prof. Dr. Martin Stummbaum, Fakultät für angewandte Geistes- und Naturwissenschaften, Technische Hochschule Augsburg (D)
Vor dem Hintergrund wachsender Nachhaltigkeitskonflikte wird der Beitrag die Rolle Sozialer Arbeit kritisch reflektieren. Häufig werden ökologische Fragen individualisiert und auf benachteiligte Gruppen verlagert, während strukturelle Ursachen ausgeblendet bleiben. Aufbauend auf Erfahrungen aus dem (Real)Labor Nachhaltigkeit wird der Ansatz einer „Sozialen Arbeit für oben“ vorgestellt. Dieser rückt Machtverhältnisse stärker in den Fokus und eröffnet neue Perspektiven für eine gerechte Stadtentwicklung.
Johannes Stengel, Institut für Geographie, Professur Sozialgeographie, Friedrich Schiller Universität, Jena (D)
Ausgehend von ethnographischen Einblicken in Transition-Town-Initiativen beleuchtet der Beitrag, wie Solidarität in lokalen Transformationsprozessen konkret hergestellt und ausgehandelt wird. Im Fokus stehen basisdemokratische Praktiken, affektive Dynamiken und kollektive Lernprozesse im Umgang mit Transformationskonflikten. Die Analyse zeigt, unter welchen räumlichen und sozialen Bedingungen solidarische Praxis entsteht – und welches Potenzial sie für eine sozial gerechte Stadtentwicklung entfalten kann.
Die Beteiligung von Kindern ist ein zentraler Baustein klimagerechter Stadtentwicklung. Sie ist sowohl normativ durch Kinderrechte begründet als auch praktisch relevant für lebendige demokratische Prozesse. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie die Perspektiven von Kindern in komplexe Planungs- und Verwaltungsabläufe integriert werden können.
In der Session wird eine grundlegende Einordnung von Kinderpartizipation mit konkreten Erfahrungen aus der Stadt Rapperswil-Jona verbunden. Im Zentrum steht die Kinderkonferenz 2025, die sich unter anderem mit Fragen der Hitzeentwicklung in der Stadt auseinandersetzt. Diskutiert wird, wie Kinder für Klimafragen sensibilisiert werden können, welche Rolle Kinder- und Jugendarbeit dabei spielt und wie der Dialog zwischen Kindern, Fachstellen und Verwaltung nachhaltig verankert werden kann.
Darüber hinaus werden die Chancen und Herausforderungen interdisziplinärer Zusammenarbeit beleuchtet sowie die Frage erörtert, wie sich kurzfristige Beteiligungsformate mit langfristigen Transformationsprozessen verbinden lassen.
Moderation: Johanna Brandstetter, IFSAR Institut für Soziale Arbeit und Räume, OST Ostschweizer Fachhochschule, St.Gallen
Johanna Brandstetter, IFSAR Institut für Soziale Arbeit und Räume, OST Ostschweizer Fachhochschule, St. Gallen
Der Beitrag gibt eine Einführung in die Grundlagen und Zielsetzungen der Kinder- und Jugendpartizipation im Kontext klimagerechter Stadtentwicklung und ordnet sie theoretisch ein.
Anja Hirlinger, Stadt Rapperswil Jona
Einblicke aus der Kinderkonferenz zeigen, wie Kinder Themen wie Hitzeentwicklung wahrnehmen und artikulieren. Reflektiert wird die Rolle der offenen Kinder- und Jugendarbeit im interdisziplinären Kontext.
Fabian Ruoss, Stadt Rapperswil Jona
Aus Sicht der Fachstelle Klima und Energie wird dargestellt, welche Bedeutung die Ergebnisse der Kinderbeteiligung für Planung und Umsetzung haben und wie sie in fachliche Prozesse einfliessen.
Claudia Taverna, Stadt Rapperswil Jona
Die Perspektive der Kinder- und Jugendbeauftragten beleuchtet Strukturen, Netzwerke sowie zentrale Gelingensbedingungen und Herausforderungen für nachhaltige Beteiligungsprozesse.
Die Umsetzung der Energiewende entscheidet sich vor Ort – dort, wo Menschen wohnen, arbeiten und Verantwortung übernehmen. Partizipation ist dabei ein demokratischer Prozess und sozialer Gestaltungsraum zugleich. Sie schafft Vertrauen, stärkt die Mitverantwortung und ermöglicht konkrete Handlungskompetenz.
In der Session wird beleuchtet, wie Beteiligung zur Verankerung von Klimagerechtigkeit beitragen kann – sowohl als Prinzip demokratischer Entscheidungsfindung als auch in der praktischen Umsetzung im Quartier. Im Fokus stehen die Rolle von Partizipation für Akzeptanz, Kooperation und gemeinsames Handeln sowie die Frage, wie lokale Initiativen und professionelle Akteur:innen Transformationsprozesse gemeinsam gestalten können.
Moderation: Marcel Leibacher, enovation.one, Schaffhausen
Marcel Leibacher, enovation.one, Schaffhausen
Co-Autor:
Bruno Habegger, Reset Thinking GmbH, Aarwangen
Die Energiewende ist nicht nur eine technische, sondern vor allem eine demokratische Herausforderung. Anhand von Praxisbeispielen zeigt der Beitrag, dass Akzeptanz und Umsetzung wesentlich von der Einbindung der Betroffenen abhängen. Partizipation fördert Dialog, Mitverantwortung und gemeinsames Handeln und wird so zum zentralen Motor lokaler Transformationsprozesse und zur Grundlage für Klimagerechtigkeit vor Ort.
Marcel Leibacher, enovation.one, Schaffhausen
Lokale Initiativen zeigen, wie nachbarschaftliches Engagement zur treibenden Kraft der Energiewende werden kann. Gemeinschaftliche Projekte verbinden soziale, ökologische und ökonomische Anliegen und schaffen konkrete Lösungen vor Ort. Der Beitrag beleuchtet Erfahrungen und Methoden, mit denen Partizipation Akteur:innen befähigt, eigene Energielösungen zu entwickeln, und zeigt die Rolle von Planung, Verwaltung und Moderation in diesen Prozessen.
Programmänderungen bleiben vorbehalten.